Better Call Saul, S05

Das Prequel zu Breaking Bad gehört für mich zu den besten Serien, die aktuell laufen. Darum wollte ich diesmal nicht bis zum Ende der Staffel warten, sondern Woche für Woche schauen. Die einzig andere Ausnahme von meinem normalen Aufspar-Modus ist Westworld. Aber das Timing für meinen Plan war nicht gut – genau zur Premiere der fünften Staffel von Better Call Saul wurde es bei mir gerade zunehmend stressiger und nach der ersten Folge war ich unzufrieden. Ich konnte mich nicht auf den slow burn einlassen, der mittlerweile zum Markenzeichen von Vince Gilligan geworden ist. Um mir dadurch die Serie nicht zu verderben habe ich nun also doch – wie bei den vier Staffeln zuvor – gewartet und nun seit dem vergangenen Wochenende in wesentlich mehr Ruhe alles aufgesogen.

Ich bin immer noch beeindruckt davon, wie fest die Serie auf ihren eigenen Beinen steht und trotz der vielen Überlappungen noch keinen einzigen Moment hatte, durch den Breaking Bad in irgendeiner Form geschmälert würde.1 Auch diesmal gibt es leider wieder nur einen kleinen Tropfen Material, das danach spielt, bevor wir zurück in die Vergangenheit gehen. Die Darsteller glänzen alle in ihren Rollen, gerade die unter Spannung stehende Beziehung zwischen Kim und Jimmy ist fast schon körperlich spürbar unangenehm. Dadurch, wie stark die Serie mittlerweile für sich selbst steht, finde ich den Begriff “Cameo”-Auftritt für die bereits bekannten Gesichter aus Breaking Bad eigentlich gar nicht korrekt. Diese haben für mich sonst meist etwas Gimmick-artiges – so als wären die Beteiligten kurz davor, grinsend in die Kamera zu zwinkern, um allen klar zu machen, wie cool es ist, dass gerade dieser “Cameo”-Auftritt passiert. Das ist hier nicht der Fall, denn die Auftritte passen sich einfach stimmig in die Story ein und fühlen sich authentisch an. Wir sehen einfach nur eine etwas andere Geschichte zu einer etwas anderen Zeit, aber in derselben Welt und mit denselben Personen. So macht das Spaß!

Langsam wird die Story insgesamt aber etwas verstrickt und zieht sich. Ohne konkret spoilern zu wollen, aber im Finale hätte durchaus ein gewisser Abschluss stattfinden dürfen. Es passt natürlich zur Serie, dass sich stattdessen erneut ein Konflikt noch weiter zuspitzt, aber das hätte ein wenig eleganter erreicht werden können. Aber auch trotz ein wenig plot armor war es schön anzusehen und spannend mitzufiebern, wie auch schon in den vorigen Folgen der zweiten Staffelhälfte. Ich bin sehr gespannt, wann und wie das Ende dieser Serie kommen wird und freue mich jetzt schon darauf, dann das Albuquerque-Gesamtwerk nochmal am Stück zu genießen.


  1. Das gleiche gilt übrigens andersherum auch für das Sequel El Camino. Der Film ist sehenswert (auch wenn er sich mehr wie eine lange Episode anfühlt – aber das war genau das, was ich haben wollte) und trotzdem verändert er das bestehende Gesamtwerk nicht, nur um zusätzliche Spannung oder Inhalt für sich selbst zu erzeugen. Es fühlt einerseits sich an, als wäre der Film schon immer das eigentlich geplante Finale gewesen, und trotzdem funktioniert Breaking Bad mit und ohne dieses Kapitel perfekt. ↩︎

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