Vier Tage für ein Halleluja

Quentin Lichtblau in der Zeit1 zum Thema Viertagewoche:

Nette Idee, aber Spinnerei, sagen Sie nun vielleicht. Das dachten sicher auch viele, als in den Fünfzigerjahren die bundesdeutschen Gewerkschaften herumgesponnen haben: Könnte man den Arbeiter nicht vom Joch der Sechstagewoche befreien? Warum sollte Vati am Samstag nicht einfach zu Hause bleiben?

Auch fünf Arbeitstage sind kein gottgegebenes oder auch nur vernünftiges Maß. In einer Zeit, in der viele Bullshit-Jobs mehr einer Beschäftigungstherapie als wertschöpfender Arbeit gleichen, in der durch die Digitalisierung ganze Berufssparten wegfallen, in der eine Burn-out-Phase im Lebenslauf fast schon zum Standard gehört und in der Wünsche nach einer gleichberechtigten Familien- und Karriereplanung das Vollzeitmodell ins Wanken gebracht haben, wäre eine geringere Arbeitszeit für alle keine radikale Zukunftswette – sondern die überfällige Anpassung der Arbeit an die Lebenswelt von Millionen Menschen.

Aber Hallo! Mich wundert diese “Das geht doch nicht!"-Reaktion der meisten Leute immer sehr. Noch dazu oft von Menschen, die “mehr Inhalt” im Leben haben. Ich hab keine eigenen Kinder, ich bin meistens Single, ich muss kein Eigenheim in Schuss halten… und trotzdem reicht mir die Zeit neben der Vollbeschäftigung hinten und vorne nicht für die Dinge, die mir wirklich wichtig sind. Darum spiele ich auch mit dem Gedanken, dieses Jahr auf vier Tage zu reduzieren. Um mehr Zeit zu haben. Zeit zum Bloggen, zum Lesen, zum Nachdenken. Zeit, um mich dafür zu engagieren, dass auch weniger privilegierte Menschen sich für eine Viertagewoche entscheiden können, ohne verhungern zu müssen.


  1. Ich hab offenbar eine Schwäche für Zeit-Artikel mit Wortspieltiteln. ↩︎